Jann Spiess geht für ein Jahr nach Ouagadougou
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Newsletter-Archiv: Newsletter # 08

Ouagadougou-Newsletter # 08 - Februar 2006
Halbzeit!
Ouagadougou, 28.02.2006

Der Februar war der Monat, in dem die erste Hälfte meiner Zeit in Westafrika schon hinter, die zweite aber noch vor mir lag. Es war – vielleicht genau deswegen – ein Monat, in dem ich viel über mein Leben und meinen Dienst in Burkina Faso nachdachte, ein Monat des Rück- und des Ausblicks – wie die Analyse in der Halbzeitpause eines Fußballspiels.

Die Möglichkeit dazu gab sich für mich aber nicht im Fernsehstudio hoch über dem Rasen des Stadions, sondern in einem Tagungszentrum hoch über dem dichten Regenwald Ghanas. Nicht um zweiundzwanzig Spieler und einen Ball ging es, sondern um acht Volontäre in Westafrika und ihre Erlebnisse. Nicht ein Schiedsrichter leitete das Spiel, sondern zwei kompetente und sympathische Betreuer, die extra aus Deutschland eingeflogen waren.

Und so konnte ich in aller Ruhe über meine erste Halbzeit nachdenken.

Aus der Distanz wurde ich mir noch einmal klar über das Land, in dem ich für 13 Monate lebe und arbeite: Armut (Burkina Faso ist das drittärmste Land der Erde), Hunger (Hungersnöte im Sahel, zuletzt 2005), Analphabetismus (weniger als ein Viertel der Menschen können lesen und schreiben), HIV (über 10 % sind infiziert), Krankheiten (durchschnittlich leben die Menschen hier nur 46 Jahre) und so Vieles mehr.
Bewusst wurde mir noch einmal das Elend der Menschen, aber auch deren Lebensfreude, Freundschaft, Hilfsbereitschaft.
Wie in Zeitlupe erlebte ich vor meinem inneren Auge noch einmal meine ersten Eindrücke: totale Verkehrskatastrophe in der Millionenmetropole, Armut überall, Hitze und Staub.
Mir wurde deutlich, welche wichtigen Erfahrungen ich bereits machen durfte.

Deutlich wurde mir auch, wie wichtig mir ist, sinnvoll zu helfen – und zwar in den Projekten von SEWA:
Mehrere Frauen kochen jetzt mit Solarkochern und können nebenher die Schule besuchen, statt den ganzen Tag Brennholz suchen zu müssen. Zahlreiche Baumwollbauern benutzen unsere solaren Akkulader, statt mit Wegwerfbatterien die Umwelt und ihren Gelbeutel zu belasten. Schließlich konnten während meiner Zeit in Burkina Faso bisher fünf Schulen elektrifiziert und den Schülern damit ein Stück Hoffnung für ihre Zukunft gegeben werden.

Zufrieden schaue ich heute also zurück, erwartungsvoll in die Zukunft. Was auch immer die zweite Halbzeit noch bringen mag – ich freue mich darauf!

Freuen konnte ich mich übrigens auch (zu recht) auf ein Radiointerview und die Fasnachtsparty in der Residenz des Botschafters – Bilder und mehr dazu in unserem Weblog!
[adablog.solar-afrika.de]

Entspannte Seminaratmosphäre in Ghana
Entspannte Seminaratmosphäre in Ghana

Kreative Reflexion
Kreative Reflexion

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