Jann Spiess geht für ein Jahr nach Ouagadougou
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Newsletter-Archiv: Newsletter # 07

Ouagadougou-Newsletter # 07 - Januar 2006
Ein Schaf für meinen Vater, zwei Kocher für Bolin und drei Wochen für SEWA
Ouagadougou, 01.02.2006

Als das neue Jahr begann, war ich noch mitten in den Ferien. Der Besuch des Dorfes Pathiri mit meinen Eltern war daher diesmal auch eine rein private Angelegenheit.
Gemeinsam besuchten wir das um 1.700 Einwohner zählende Dorf, gelegen etwa 80 km nördlich der Hauptstadt Ouagadougou. Schon bei meinem letzten Besuch (damals „dienstlich“) waren wir hier großartig empfangen worden und hatten am Ende ein Schaf, ein Huhn und einen Sack Erdnüsse als Geschenk mitnehmen dürfen – diesmal war der Empfang aber noch eindrücklicher.
Nachdem wir die weit verstreuten Ansammlungen von traditionellen Hütten besucht hatten, die das Dorf bilden, erwartete uns bei der Grundschule eine riesige Menschenmenge: Schüler, Eltern, Lehrer, Dorfvertreter – alle waren sie gekommen, um uns zu empfangen. Auf dem Rückweg hatten wir dann nicht nur die Erinnerungen an den traditionellen Tanz der Frauen oder die Reden der Männer im Kopf, sondern auch die Geschenke des Dorfes im Kofferraum. Zwei Batiktücher hatte meine Mutter bekommen, ein Schaf war meinem Vater geschenkt worden und ein zweites Schaf der ganzen Familie.

Nach meinen Ferien (inzwischen waren meine Eltern wieder abgereist) standen drei Wochen „Arbeitsalltag“ auf dem Programm – also drei Wochen höchst abwechslungsreicher und keinesfalls alltäglicher Einsatz für meinen Verein SEWA, für die Menschen im drittärmsten Land der Erde und für die Solarenergie. Das Highlight stellte dabei sicher die Übergabe zweier Solarkocher in dem kleinen Dorf Bolin da.
Das Dorf, fernab von Strom- und Wasserversorgung gelegen, zählt knapp 1.300 Einwohner, die auf mehrere „Quartiers“ verteilt sind. Jedes dieser Viertel des Dorfes besteht wiederum aus weit verstreuten Ansammlungen traditioneller Rundhütten aus Lehm, in denen teils ganze Familien leben. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein, das Leben noch wie seit jeher zu funktionieren. Als Bauern und Hirten verdienen die Menschen ihr Geld, das oft gerade so zum Überleben reicht. Selbst ein Fahrrad stellt für die meisten einen unvorstellbaren Luxus dar.
Bolin – wie auch Pathiri – scheint auf den ersten Blick also eines der vielen Dörfer zu sein, die in Burkina Faso unter der schrecklichen Armut leiden müssen. Doch es gibt hier eine Besonderheit, die Hoffnung macht: In einer Kooperative packen insgesamt 53 Frauen des Dorfes ihre Probleme selbst an. Durch die Herstellung traditioneller Produkte für den Verkauf gewinnen sie ein Stück wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Oft bleibt dafür aber wenig Zeit, die sie stattdessen für die Brennholzsuche aufwenden müssen. Alleine zwei Stunden brauchen die Frauen, um die Sammelstelle zu Fuß zu erreichen.
Jetzt ist diese Arbeit aber nicht mehr nötig, weil sie statt dessen mit der Sonne kochen können – dank der beiden Solarkocher, die wegen ihrer Form „Papillon“ (Schmetterling) genannt werden. Die beiden verspiegelten „Flügel“ der Solarkocher sammeln die Sonnenstrahlen in dem Punkt, in der der Topf eingehängt wird. Dank 1.000 Watt Heizleistung kocht ein Liter Wasser im „Papillon“ bereits nach fünf Minuten! Braucht man den in Ouagadougou hergestellten Kocher dann nicht mehr, lässt er sich Platz sparend zusammenklappen.
Die Frauen müssen nun nicht mehr stundenlange Fußmärsche zurücklegen, um Brennholz zu sammeln. Stattdessen können sie ihre Waren produzieren oder in der Schule lesen und schreiben lernen. Hinzu kommt, dass sie nicht weiter den schädlichen Abgasen der Feuer ausgesetzt sind. Und Schließlich wird die Rodung von Brennholz gebremst und dadurch die fortschreitende Wüstenbildung eingedämmt, die in Burkina Faso ein gewaltiges Problem darstellt!

Interessierte Zuschauer in Pathiri
Interessierte Zuschauer in Pathiri

Das Dorf Bolin
Das Dorf Bolin

Wichtig: Lernen, mit dem Solarkocher umzugehen
Wichtig: Lernen, mit dem Solarkocher umzugehen

Glückliche Frauen mit ihren neuen Solarkochern
Glückliche Frauen mit ihren neuen Solarkochern

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