Jann Spiess geht für ein Jahr nach Ouagadougou
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Newsletter-Archiv: Newsletter # 06

Ouagadougou-Newsletter # 06 - Dezember 2005
Advent ohne Adventskranz, Weihnachten ohne Weihnachtsstimmung, Sylvester mit Sylvesterböllern!
Ouagadougou, 06.01.2006

Advent – das bedeutete für mich bisher winterliche Kälte, Glühwein auf dem Weihnachtmarkt und vorweihnachtliche Adventskranzromantik in der warmen Wohnung.
Auf all das musste ich hier in Ouagadougou verzichten: hochsommerliche Hitze statt winterlicher Kälte, kaltes Wasser zur Erfrischung statt heißen Glühwein zum Aufwärmen und harter afrikanischer Arbeitsalltag statt vorweihnachtlicher Adventsromantik stellten einen krassen Kontrast zu meinen bisherigen Erfahrungen dar.

Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich dann aber nicht: die Dokumentation der Sahel-Schulbesuche im November, die Planung der Zukunft des Akkulader-Projekts, die Vorbereitung der kommenden Reisen, dazwischen noch mein 20. Geburtstag und schließlich die Zusammenstellung der Weihnachtspost für Familie, Freunde und Unterstützer hielten mich fast durchgehend in Atem – bis zur Ankunft meiner Eltern kurz vor Weihnachten, die gleichzeitig den Beginn meines Urlaubes markierte.

Gemeinsam feierten wir dann Weihnachten: am Nachmittag des 24. Dezember Kaffee und Christstollen bei Nachbarn, anschließend Bescherung im kleinen Kreis, am Abend lecker essen im Restaurant und schließlich zweistündiger Open-Air-Weihnachtsgottesdienst vor der Kathedrale, mit Bischoff und Stimmung wie im Fußballstadion – und trotzdem wollte die herbeigesehnte Weihnachtsstimmung nicht so recht aufkommen. Weihnachten bei hochsommerlichen Temperaturen funktioniert einfach nicht richtig – da konnte unser mit 140 bunten Lichtern ausgestatteter kleiner, kitschiger Plastikweihnachtsbaum noch so viele amerikanische Weihnachtslieder aus seinem kleinen Lautsprecher trällern.

Gleich nach den Feiertagen machten wir uns auf in den Südwesten des Landes, um wenigstens für vier Tage aus der Hauptstadt herauszukommen und so richtig Urlaub machen zu können. Highlights am ersten Tag war ein kleiner See mit Krokodilen und die historische Altstadt von Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt des Landes (wie ein mittelalterliches Freilichtmuseum, nur eben alles echt). Am zweiten Tag schenkten wir Wasserfällen und Felslandschaften besondere Aufmerksamkeit, am dritten Tag waren Nilpferde in der Abenddämmerung an der Reihe. Die für den vierten und letzten Tag vorgesehenen Elefanten ließen sich dann zwar nicht mehr blicken, dafür verlief auch der Heimweg ohne Probleme – sieht man mal von einer kleinen Autopanne ab.

Erstaunlicherweise ohne Panne transportierte uns an Sylvester eines der alten, kaputten, grünen Taxen der Hauptstadt um kurz vor Mitternacht in eine burkinische Kneipe – obwohl es mit sieben (!) Bleichgesichtern und Fahrer hoffnungslos überladen war. Besonders bequem war es zu fünft auf der Rückbank zwar nicht, dafür kamen wir gerade noch rechtzeitig an, um die Sektkorken knallen zu lassen – und um zu erfahren, dass es in Burkina an Sylvester auch nicht viel anders zugeht als in der Heimat. Feuerwerk erhellte (wenn auch nur gelegentlich) den staubigen Himmel, in den Straßen wurde geböllert, in der Kneipe getanzt – und wir mitten drin, um das neue Jahr zu begrüßen.

An dieser Stelle möchte ich dann auch die Gelegenheit nutzen, zum Abschluss auf Mooré etwas verspätet alles Gute für 2006 zu wünschen und eine traditionelle Segnung anzuhängen:
Né y táabò! Wénd ná kò làafí!
(Frohes neues Jahr! Bleibe bei guter Gesundheit!)

Kleiner, kitschiger Plastikweihnachtsbaum mit 140 bunten Lichtern
Kleiner, kitschiger Plastikweihnachtsbaum mit 140 bunten Lichtern

In der Altstadt von Bobo-Dioulasso
In der Altstadt von Bobo-Dioulasso

Felslandschaft bei Banfora
Felslandschaft bei Banfora

Die Wasserfälle von Banfora
Die Wasserfälle von Banfora

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