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Ouagadougou-Newsletter # 02 - August 2005
Der Alltag beginnt - oder eben doch nicht!
Ouagadougou, 31.08.2005
Am Anfang war das Ankommen in der chaotischen und stinkenden Millionenstadt Ouagadougou (Newsletter # 01) - jetzt ist das Einarbeiten und Eingewöhnen an der Reihe.
Gewöhnungsbedürftig ist zum Beispiel das Wetter jetzt in der Regenzeit. Meist ist es bei 28 (nachts) bis 32 Grad (mittags) sehr schwül, nur wenn der Regen kommt, kühlt es deutlich ab. Das immer wiederkehrende Schauspiel beginnt mit dem Sturm, der bräunlich-gelbe Sandschwaden durch die Stadt bläst und so das sonst so rege Treiben erstickt. Wenn dicke Wolken dann den Himmel verdunkelm, beginnt es meist auch schon zu gewittern. Innerhalb kurzer Zeit prasselt so viel Wasser herunter, dass die Sandpisten plötzlich zu Seenlandschaften mit reißendenden Bächen werden und vorerst an Mofafahren nicht mehr zu denken ist. Und schon ist alles wieder vorbei - nur die Pfützen in den Straßen zeugen noch vom überstandenen Unwetter.
Nicht nur vom anstrengenden Wetter, sondern vor allem von einem harten Arbeitstag zeugt hingegen meine abendliche Müdigkeit. Endlich fertig eingeräumt ist nämlich unser Büro, das praktischerweise gleich bei uns im Quartier ist - und in dem wir schon kräftig am tippen, löten und diskutieren sind. Mit dabei sind unser Vorgänger Sebastian, der uns kompetent in die Projekte einweist, unsere burkinische Sekretärin Solange, die wir nebenher einlernen, und natürlich Marcus und ich, die neuen "Zivis", die sich bei all den kommenden Aufgaben erst mal einen Überblick verschaffen müssen.
Zu den Aufgaben gehört so Beispiel, eine Fortbildung zu besuchen und zu dokumentieren, die uns Erkenntnisse über den gewerblichen Einsatz von Solarkochern liefern soll. Während diese Herausforderung von Marcus und Solange bewältigt wird, kümmere ich mich momentan schwerpunktmäßig um die intelligenten Akkupacks (CIPs), die - von der Sonne geladen - den Baumwollbauern die Kosten für und der Umwelt die Verseuchung durch Wegwerf-Batterien ersparen. Sebastian zeigt mir, wir ich die Packs zusammenbauen muss (dabei kommt des Öfteren der Lötkolben zum Einsatz - siehe Foto) und weist mich außerdem in die recht komplizierte, dafür aber auch bedeutend spannendere Fehleranalyse bei kaputten CIPs ein. Viel zu tun haben wir also alle.
Damit wir das auch alles schaffen, geht es an einem "normalen" Arbeitstag morgens um 8 Uhr los. Wenn alles planmäßig läuft, machen wir dann Mittagspause von 12 bis 14 Uhr und haben um 18 Uhr endlich Feierabend - aber eben nur, wenn alles planmäßig läuft. Denn obwohl wir uns nun langsam eingelebt haben, gibt es so etwas wie Alltag nicht: nur noch mal schnell muss man sich mit jemandem in der Stadt treffen (mit Pünktlichkeit haben es die Leute hier nicht so, hier gehen die Uhren wegen der Hitze eben etwas langsamer), irgendeine Kleinigkeit besorgen oder ein "kleines" technisches Problem lösen - immer kommt irgendetwas Unerwartetes dazwischen. Und so sitze ich oft noch spät abends im Büro, um meine letzten Mails nach Deutschland zu schreiben oder endlich den ausstehenden Newsletter zu verfassen.
Eingewöhnt haben wir uns also in dieser verrückten westafrikanischen Stadt - von Langeweile aber keine Spur. Und so versprechen auch die nächsten Monate immer neue Herausforderungen und unerwartete Situationen, die uns kaum zur Ruhe kommen lassen werden!
Voller Vorfreude darauf grüßt euch aus Ouagadougou
Euer Jann
 Jann beim Löten in der Werkstatt
 Sebastian, Kady, Solange und Marcus im Außeneinsatz
 Marcus und Solange im neuen Büro
 Unser altes Peugeot-Damenrad ohne Schaltung, aber mit roter Crossbereifung
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