Jann Spiess geht für ein Jahr nach Ouagadougou
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Newsletter-Archiv: Newsletter # 01

Ouagadougou-Newsletter # 01 - Der 10 Tage-Bericht
Müllgestank, Mofas und Moskitos zur Begrüßung in einer fremden Welt
Ouagadougou, 16.08.2005

Flugzeug gelandet, Schrank eingeräumt, Computer installiert - und das Internet funktioniert endlich. Höchste Zeit für den ersten Lagebericht aus Westafrika.

Das Erste, das meinen Mitzivi Marcus und mich beim Aussteigen aus dem Flugzeug erwartete, war die schwüle und rauchige Luft der Millionenstadt Ouagadougou. Schwül weil gerade Regenzeit, rauchig von den Holzfeuern, der Müllverbrennung auf den Straßen und dem Verkehr - den wir am nächsten Tag noch näher kennen lernen durften.

Das Verkehrschaos auf den überfüllten Straßen der Hauptstadt Burkina Fasos - oder besser gesagt die Verkehrskatastrophe - wird bestimmt durch tausende von Mofas, die mit ihren Zweitaktern auch nicht vor den vom Regen ausgewaschenen Staubpisten Halt machen. Und wir zwei Weißen - die Kinder rufen uns "Nassara" hinterher - auf unseren Peugot P50 mitten drin, aber mit Helm und funktionierenden Bremsen (für viele ist die Hupe hier viel wichtiger).

Auf dem Fünf-Minuten-Weg zwischen unserer Drei-Zimmer-Plus-Küche-Reihenwohnung - mit Strom und fließend Wasser weit über burkinischem Durchschnitt - und unserem Büro kennen uns die Menschen schon. Viele Alte sieht man nicht auf den Straßen, leider kaum verwunderlich bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von nur 46 Jahren. Die meist jungen Leute sind aber stets freundlich und hilfsbereit. Und das trotz dem offensichtlichen Elend im drittärmsten Land der Welt, das mir zum Beispiel durch zahlreiche Bettler gerade an den großen Teerstraßen der City immer wieder verdeutlicht wird. Kein Wunder also, dass ich bei all der Armut oft ein schlechtes Gefühl habe, wenn ich an den Reichtum denke, in dem ich leben darf.

Ein schlechtes Gefühl hatte ich auch, als ich zum ersten Mal in einer burkinischen Familie zum Essen eingeladen war - allerdings eher in der Magengegend. Hähnchen und Reis schmecken gut, das burkinische Nationalgericht To (Meisfladen mit der Konsistenz von Pudding, dazu meist stark mit Fisch versetzte Soße) ist dagegen - nun ja - sehr gewöhnungsbedüftig. Die erste Nacht mit Übelkeit auf der Toilette und zahlreiche Moskitostiche haben wir beide so auch schon hinter uns.

Meine ersten zehn Tage in Ouagadougou waren also Tage voller Eindrücke und Erfahrungen, die ich mir so nie habe vorstellen können. Der Flug von Paris nach Ouagadougou kam mir vor wie die Reise in eine andere Welt, in der es jetzt zu bestehen gilt - noch zwölfeinhalb Monate lang!

Für alle, die in dieser Zeit nicht nur monatlich auf dem neuesten Stand sein wollen und sich für unser Leben als "Nassara" in Afrika interessieren, schreiben Marcus und ich ein Internettagebuch, das "ADAblog" [adablog.solar-afrika.de] - bitte weitersagen und Newsletter weiterleiten!

Trotz aller Strapazen gut gelaunte Grüße in die geliebte Heimat!

Euer Jann

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© Jann Spiess 2005 | mail@jannspiess.de